Den Schnitt richtig setzen: Komplexe Operationen gehören in die Hände erfahrener Teams.
Symposium

Nicht alle Häuser können alles

Die Debatte über eine neue Kliniklandschaft ist auch in Sachsen-Anhalt im Gange. Auf einem Symposium in Magdeburg plädierten Experten jetzt dafür, komplexe Operationen künftig an ausgewählten Standorten zu bündeln. Von Hans-Bernhard Henkel-Hoving

Das Gesundheitsministerium

in Sachsen-Anhalt will bei der anstehenden Novellierung des Landeskrankenhausplanes offenbar darauf drängen, schwierige Operationen und Therapien in erster Linie an qualitätsorientierten Standorten erbringen zu lassen. „Es kann nicht jeder alles machen“, erklärte Staatssekretärin Beate Bröcker kürzlich auf dem Krankenhausforum der AOK Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Studien zeigten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der ein komplexer Eingriff von einer Klinik erbracht werde, und der Qualität der Arbeit. „Niemand kann sich der Qualitätsdebatte entziehen“, machte Bröcker deutlich und unterstrich zugleich, dass ihr Haus die Qualitätsvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses berücksichtigen werde. Skeptisch bewertete sie das Vorhaben der Großen Koalition, die Kosten für die Pflege künftig aus den Klinik-Fallpauschalen herauszurechnen und gesondert zu bezahlen. Dies komme einer „langsamen Rückkehr zum Selbstkostendeckungsprinzip“ gleich. Gleichwohl müsse die Pflege im Krankenhaus besser finanziert werden, nicht zuletzt angesichts des wachsenden Per­sonalmangels.

Professor Dr. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin plädierte ebenfalls dafür, komplexe medizinische Leistungen deutlich stärker als bisher an besonders qualifizierten Standorten zu bündeln. So verfügten von den 1.400 Krankenhäusern in Deutschland, die Patienten mit Herzinfarkt behandelten, weniger als 600 über eine Herz­kather­einheit. Dies sei eine der Ursachen für die vergleichsweise hohe Sterblichkeitsrate von Infarktpatienten hierzulande. Staaten wie Norwegen und Dänemark agierten hier weitaus erfolgreicher. Im internationalen Vergleich verfüge Deutschland zudem über erhebliche Überkapazitäten im stationären Sektor. Getreu der Erkenntnis des US-Gesundheitsökonomen Milton Roemer „A bed built is a bed filled“ produziere das große stationäre Angebot sich seine Nachfrage gewissermaßen selbst: Während in anderen Ländern nur etwa 25 Prozent aller Patienten über die Notaufnahmen den Weg in die stationäre Versorgung fänden, seien es in Deutschland 50 Prozent.

Kein Nein zu Mindestfallzahlen.

Während Professor Dr. Wolfgang Schütte von der Landeskrankenhausgesellschaft zwar Sympathien für Mindestfallzahlen bei bestimmten Eingriffen und Mindeststandards bei der personellen und technische Ausstattung von Kliniken erkennen ließ, wies der Mediziner jedoch den Verdacht zurück, seine ärztlichen Kollegen könnten aus ökonomischen Gründen Notfallpatienten häufiger als nötig in die Klinik einweisen: „Das machen – wenn überhaupt – nur einzelne schwarze Schafe.“ Mit Blick auf den neuen Landeskrankenhausplan sprach sich Schütte für eine schrittweise Weiterentwicklung der Strukturen aus.

Umbau für eine hochwertige Versorgung.

Wie der Einstieg in eine qualitätsorientierte Klinikplanung gelingen könnte, verdeutliche Dr. Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband. Der Krankenhausexperte warb unter anderem dafür, die Rolle von kleinen Hospitälern neu zu definieren und dort das ambulante Operieren, kurzstationäre Aufenthalte und die fachärztliche ambulante Versorgung in einem neuen sektorenübergreifenden Rahmen anzusiedeln. Dafür sollten Krebs­operationen, Schlaganfall- oder Herzinfarktbehandlungen und andere aufwendigere Therapien dort nicht mehr stattfinden dürfen. Für die AOK Sachsen-Anhalt unterstrich Vorstand Ralf Dralle das hohe Interesse der Gesundheitskasse an einem qualitäts- und bedarfsorientierten Umbau der Krankenhausstrukturen. Gerade weil einzelne Leistungen – etwa in der Geriatrie oder der neurologischen Frühreha – besonders lukrativ seien, dürften nur die Kliniken diese Behandlungen auch erbringen, die Qualitätsvorgaben erfüllten. Dralle signalisierte zugleich Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: „Die AOK will eine hochwertige und flächendeckende Versorgung mitgestalten.“

Hans-Bernhard Henkel-Hoving ist Chefredakteur der G+G .
Bildnachweis: istockphoto/muratkoc
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