Rückenschule auf der Wald-Lichtung: Der AOK-Experte hat ein Wirbelsäulen-Modell dabei und erklärt die Funktion der Bandscheiben.
Betriebliches Gesundheitsmanagement

Rücken-Training im tiefen Wald

Traumberuf: Forstwirt. Danny Kloska liebt seinen Job in der Natur. Doch die Arbeit ist hart, geht auf Knochen und Gelenke. Damit er seinen Beruf bis zur Rente ausüben kann, hat sein Arbeitgeber jetzt einen AOK-Gesundheitsmanager engagiert. Von Christian Wohlt

Loch bohren, bücken,

Bäumchen in die Erde, Boden drauf, festtreten – jeder Setzling wiegt zwar nur ein paar Gramm, wer die Arbeit jedoch wochenlang jeden Tag acht Stunden macht, spürt, was er geleistet hat. Auch Danny Kloska, der beim Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt beschäftigt ist.

Schwere Schuhe mit Stahlkappen, orangene Arbeitskluft, darunter ein durchtrainierter Körper. Der 43-Jährige kann eine Kreissäge stemmen, als wäre es nur eine Wasserflasche. Doch es sind oft die scheinbar leichten Arbeiten, die in den Rücken gehen: etwa das Setzen von Stecklingen. Nur eine von vielen Aufgaben in dem riesigen Waldgebiet: 137.000 Hektar, 49 Reviere, 250 Angestellte.

Ein Knochenjob.

Kloska und seine Kollegen sind bei Wind und Wetter draußen: beseitigen Sturmschäden, fällen Bäume, kämpfen gegen Ungeziefer, roden Hecken. „Da ist es wichtig, auf richtige Bewegungsabläufe zu achten, schmerzhafte Fehlbelastungen zu vermeiden und sich den richtigen Ausgleich zu gönnen“, sagt Gesundheitswirt Robby Huthmann.

Gemeinsam mit der AOK hat der Landesforstbetrieb deshalb ein umfassendes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ausgearbeitet, das zunächst für zwei Jahre läuft. Huthmanns Rückenprogramm ist dabei einer von vielen Bausteinen. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.

Bis zum Rentenalter fit bleiben.

„Die Mitarbeiter machen gern mit“, sagt Andreas Kriebel, Leiter des Forstbetriebes Altmark, der für 37.000 Hektar Wald im nördlichen Landesteil zuständig ist. Er ermutigt seine Beschäftigten teilzunehmen. Viele sind bereits 55 Jahre und älter. Da sei es besonders wichtig, etwas für die Gesundheit zu tun. Kriebel: „Damit jeder zufrieden bis zum Rentenalter arbeiten kann.“

Laut Statistik sind Waldarbeiter besonders häufig von Muskel- und Skeletterkrankungen betroffen. Im Schnitt sind Mitarbeiter in der Forstwirtschaft 15,3 Tage im Jahr krank. Das liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt, der bei 11,8 Fehltagen liegt.

Prävention ist wichtig, weiß Forstwirt Danny Kloska. Er nimmt am BGM-Programm teil. Gebückt steht er auf einer Lichtung. Aufforstungsarbeiten. Manchmal spürt er, dass es im Rücken zwickt.

Noch steckt sein Körper es weg. Der Schmerz verschwindet wieder. Aber wie wird es in sieben Jahren sein, wenn er seinen 50. Geburtstag feiert? „Ich will langfristig fit bleiben“, sagt er.

Bandscheibenvorfall vermeiden.

„Ausfallschritt nach vorn und den Rücken leicht beugen.“ AOK-Gesundheitswirt Robby Huthmann „assistiert“ den Forstleuten bei ihrer Arbeit im Wald, zeigt auch Danny Kloska, wie er seine Wirbelsäule entlasten und die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls verringern kann.

Im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung können Unternehmensleitung, Führungskräfte als auch Mitarbeiter viel für ein gesundes Unternehmen tun. Dazu gehören zum Beispiel:
 

  • organisatorische Maßnahmen wie mitarbeiterorientierte Führung oder Maßnahmen für ein gutes Betriebsklima, die Beschäftigte bei der Bewältigung ihrer Arbeitsaufgaben unterstützen.
  • strukturelle Maßnahmen wie Betriebliches Eingliederungsmanagement oder Suchtprävention, die Mitarbeitern auch in Krankheits- oder Krisensituationen Hilfen anbieten.
  • eine gesundheitsgerechte Gestaltung der Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz wie ausreichende, blendungsfreie Beleuchtung, angenehmes Raumklima und ein Arbeitsplatz ohne Lärmbelastungen.
  • sowie die Befähigung (Empowerment) der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem gesundheitsgerechten Verhalten. Dazu zählen beispielsweise gesunde Ernährung, Ressourcen- und Zeitmanagement,  ausreichend Bewegung für einen gesunden Rücken sowie Pausen und Erholungszeiten zur Stressprävention.

Die AOK-Gesundheitskasse unterstützt mit ihrem Service „Gesunde Unternehmen“ Betriebe, die auf Basis detaillierter Analysen maßgeschneiderte Verbesserungsprozesse am Arbeitsplatz, in der Organisation und für die Mitarbeiter umsetzen möchten.
 

 Weitere Informationen zu Betrieblichen Gesundheitsförderung der AOK

Huthmann weiß alles über den Bewegungsapparat: Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und was sonst noch dazu gehört. Und natürlich auch, wie man das Muskel-Skelett-System gesund erhält. Am Anfang steht eine Analyse der Bewegungs- und Tätigkeitsabläufe, bei der ungünstige Haltungs- und Bewegungsmuster sowie Fehlbelastungen der Wirbelsäule ermittelt werden. In Mitarbeiterveranstaltungen stellt er die Ergebnisse vor, anschließend stellt er ein Trainings-Programm auf.

Körperhaltung ist wichtig.

Außerdem bietet Huthmann eine Wirbelsäulen-Vermessung (BackScan) an, gibt Tipps  zur rückenschonenden Körperhaltung und informiert über mögliche Ausgleichs- und Entlastungsübungen. Er sagt: „Damit wird auch der ,Wohlfühleffekt‘ am Arbeitsplatz gestärkt.“

Und der ist für 98,4 Prozent aller Beschäftigten sehr wichtig, hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer bundesweiten Umfrage unter 2.000 Erwerbstätigen ermittelt. Wichtiger als „die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen“ (97,9 Prozent), „ein gutes Betriebsklima“ (96,8 Prozent), „die Unternehmens-Loyalität gegenüber den Mitarbeitern“ (96,8 Prozent) und „ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten“ (92,4 Prozent).

Gutes Arbeitsklima hält gesund.

Sehen die Mitarbeiter zusätzlich einen Sinn in ihrer Arbeit, wirkt sich das positiv auf ihre Gesundheit aus: Sie haben deutlich weniger arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden, sind im Schnitt nur 9,4 Tage krank. Ist die Arbeits-Atmosphäre allerdings schlecht, steigen die Fehlzeiten: im Schnitt auf 19,6 Tage im Jahr.

Einen Zusammenhang gibt es auch bei den job-bedingten körperlichen und psychischen Beschwerden. Mehr als ein Drittel der Befragten (38,1 Prozent) klagt über Rücken- und Gelenkschmerzen, ein weiteres gutes Drittel (35,9 Prozent) über Erschöpfung. Sehen die Beschäftigten allerdings in ihrer Arbeit einen Sinn, sind sie seltener erschöpft (33,2 Prozent) und haben weniger Rücken- und Gelenkprobleme (34 Prozent).

„Wenn Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv bleiben möchten, sollten sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern, Loyalität vermitteln und die Zusammenarbeit quer durch die Hierarchieebenen fördern“, sagt Rene Bethke, Leiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Sachsen-Anhalt. Landesweit ist die Gesundheitskasse in rund 1.100 Firmen aktiv. Die Angebote reichen von Gesundheitstagen über Rückenschulen bis hin zu branchenspezifischen Maßnahmen, wie der Einsatz im Wald in der Altmark.

Gesundheitstipps können helfen.

Loch bohren, bücken, Bäumchen in die Erde, Boden drauf, festtreten – heute ist der Arbeitstag von Forstwirt Danny Kloska nun fast zu Ende. Er hat die Tipps vom AOK-Gesundheitsspezialisten befolgt. „Es funktioniert“, sagt er begeistert. Die Arbeit geht tatsächlich leichter von der Hand. Heute geht er ohne ein „Zwicken“ im Rücken nach Hause.

Christian Wohlt ist freier Journalist in Sachsen-Anhalt.
Bildnachweis: AOK Sachsen-Anhalt/Dirk Mahler
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