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Lebensbedrohliche Infektion

Die Last der Gefühle teilen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Angaben der Deutschen Sepsis-Hilfe rund 154.000 Menschen an einer Sepsis, im Volksmund auch Blutvergiftung genannt. Auslöser ist eine außer Kontrolle geratene Infektion, die in einer dramatischen Geschwindigkeit Gewebe und Organe lebensbedrohlich schädigt. Ohne sofortige medizinische Behandlung kann die Erkrankung tödlich enden. Arne Trumann überlebte im Jahr 2012 eine Sepsis im Alter von 44 Jahren. In seinem Erfahrungsbericht schildert er Gedanken und Gefühle während der Zeit auf der Intensivstation, berichtet über das Aufwachen, das Wieder-ins-Leben-Zurückfinden und die anschließende Rehabilitation. Einen großen Teil seines Buches widmet Trumann seinen verstörenden Albträumen im künstlichen Koma, die bei ihm ein quälendes Gefühl des Ausgeliefertseins, der Passivität und der Lebensbedrohung hinterließen und die ihn jetzt viele Jahre später immer noch bedrängen. Dankbar ist er deshalb seiner Familie und seinen Freunden, dass sie mit ihm die Last der Gedanken und Gefühle teilen. Mit seinem eindrucksvollen Buch gibt der Autor Betroffenen und Angehörigen Mut, sich dem Thema zu nähern und offen über das Erlebte und Geträumte zu sprechen. Kurze und leicht verständliche Erklärungen von Experten zu den medizinischen Vorgängen helfen beim Einordnen der Schilderungen.
Arne Trumann: Alptraum Sepsis. 2019. 100 Seiten. 14,80 Euro. atp Verlag, Köln.

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Medizinischer Fortschritt

Gefahren der Gentherapie

Die Fortschritte in der Gentechnik und -therapie sind rasant, wie der US-amerikanische Technologie-Experte Jamie Metzl in seinem Buch aufzeigt. Genmutationen bei Tieren, die Stoffwechsel-Erkrankungen auslösen, lassen sich schon heute mit der Genschere CRISPR/Cas9 korrigieren. Die Behandlung von angeborenen Erkrankungen beim Menschen, wie Muskeldystrophien oder Mukoviszidose, rückt damit in greifbare Nähe. Doch bleibt es dabei? Jamie Metzl ist fest davon überzeugt, dass wir bald auch mit dieser Technik die Erbanlagen unserer zukünftigen Kinder auswählen und verändern werden. Der Mensch wird in greifbarer Zukunft selbst bestimmen, wie kommende Generationen im Hinblick auf Merkmale, Eigenschaften, Fähigkeiten und Intelligenz ausgestattet sind. Die weitere Entwicklung der Gentechnologie und ihr Einsatz werden sich nicht mehr stoppen lassen. Doch genau darin liegt eine Gefahr, wie Jamie Metzl mit Verweis auf zahlreiche Bioethiker und Kritiker darstellt. Denn der Schritt zur Eugenik ist klein. Noch hätten wir es in der Hand, den Kurs der Gentherapie in die richtige Richtung zu lenken. Notwendig seien sofortige Regulierungs- und Ethikstandards auf internationaler Ebene, fordert der Experte. An der ethischen Debatte müssen wir uns alle beteiligen. Das Buch liefert dafür gut aufbereitete und verständliche Informationen.
Jamie Metzl: Der designte Mensch. 2019. 424 Seiten. 17,99 Euro. Edition Körber, Hamburg.

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Lebensende

Mehr Seelsorge statt Ökonomie

In der Versorgung von Menschen am Lebensende braucht es Raum für Individualität, Ganzheitlichkeit und Würde der Person. Doch tatsächlich scheint sie immer mehr von einer unternehmerischen Logik geprägt zu sein, deren Konzepte um Effizienz, Kostenreduktion, Wettbewerb, Ziel- und Ergebnisorientierung kreisen. Wie kann eine menschenwürdige Gestaltung des letzten Lebensabschnitts im Spannungsfeld von ökonomischen Rationalitäten gelingen? In ausgewählten Beiträgen des Interdisziplinären Dialogforums Mensch und Endlichkeit versucht der vorliegende Sammelband Antworten auf diese Frage zu finden. Nach einem historischen Exkurs zur Quantifizierung von Patient und Gesundheitszustand beschreiben die Beiträge im ersten Teil des Buches die Bedürfnisse und das innere Erleben von älteren und sterbenden Menschen aus der Wahrnehmung der Krankenhausseelsorge. Der zweite Teil beleuchtet die Versorgungssituation aus verschiedenen Perspektiven, wie der Palliativversorgung oder der Pflege. Neben Problembeschreibungen liefert der Band jedoch auch wertvolle Lösungsansätze. So wird beispielsweise diskutiert, wie unnötige und belastende Krankenhaustransporte aus Pflegeheimen vermieden werden können.
Willibald J. Stronegger, Kristin Attems (Hrsg.): Das Lebensende zwischen Ökonomie und Ethik. 2019. 189 Seiten. 39 Euro. Nomos Verlag, Baden-Baden.

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Rettungswesen

Standards für mehr Qualität

Die beiden Journalisten Lars Winkelsdorf und Thomas Eckert zeichnen ein düsteres Bild des Rettungswesens in Deutschland: Verzweifelte Helfer, die versuchen, aus schlechten Arbeitsbedingungen und einem zunehmend maroden Rettungssystem das Bestmögliche herauszuholen. Für diese Einschätzung stützen sie sich nicht nur auf eigene jahrelange Erfahrungen als Rettungssanitäter, sondern auch auf zahlreiche Aussagen und Berichte von Notärzten und Notfallsanitätern, Beispiele aus der Praxis und Studien, die sie während ihrer Recherche zusammengetragen haben und anschaulich skizzieren. Die Krise ist ihrer Meinung nach hausgemacht: Da den Bundesländer die Hoheit über die Notfallrettung obliegt, gibt es viele Strukturen nebeneinander. Die Verantwortlichen haben eine unterschiedliche Vorstellung davon, wie eine effektive Hilfeleistung bei medizinischen Notfällen aussehen soll. Es fehlen klare Vorgaben, Regelungen und bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, so das Fazit der Autoren. Sie fordern den Bund auf, die Probleme aufzugreifen und Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel durch ein Bundesamt für das Rettungswesen. Ihr Buch liefert dafür eine wichtige Diskussionsgrundlage.
Lars Winkelsdorf, Thomas Eckert: Tot oder lebendig. 2019. 240 Seiten. 18 Euro. Westend Verlag, Frankfurt am Main.

Beate Ebbers ist freie Journalistin in Peine.
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