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Rundruf

Aus Angst nicht zum Arzt?

Ob Vorsorge- oder Kontrolluntersuchung – aus Furcht vor Corona schieben viele Menschen wichtige Arztbesuche auf die lange Bank. Wie lässt sich das Vertrauen der Patienten zurückgewinnen?

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Prof. Dr. Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung:
Alle Behandelnden haben umfangreiche Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten in Praxen und Krankenhäusern zu gewährleisten. Die Botschaft muss sein: Patienten sollten in keinem Fall aus Angst vor dem Coronavirus auf eine medizinisch notwendige Versorgung verzichten. Denn die Folgen einer unterlassenen Behandlung stellen möglicherweise eine größere Gefahr dar als das Infektionsrisiko durch das Coronavirus. Im Zweifel können Patienten auch telefonisch Kontakt mit ihrem behandelnden Haus- oder Facharzt aufnehmen. Im persönlichen Gespräch lassen sich viele Unsicherheiten ausräumen und offene Fragen klären.

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Professor Dr. Olaf Ortmann, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft:
Viele Menschen sind während der Corona-Pandemie besorgt und meiden aus Furcht vor Ansteckung einen Arztbesuch. Doch wenn Symptome, die auf eine Krebserkrankung hindeuten könnten, über längere Zeit nicht abgeklärt oder Behandlungen verschoben werden, steigt auch die Gefahr, dass der Krebs spät diagnostiziert wird und sich die Prognose verschlechtert. Der Nutzen einer Abklärung oder Behandlung wiegt in den meisten Fällen stärker als das Risiko einer Infektion mit Covid-19. Wir sollten nicht müde werden, dies auch so an die Patienten zu kommunizieren.

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Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes:
Dass Patienten zuhause bleiben und damit womöglich schwere Gesundheitsschäden riskieren, geschieht oftmals aus Furcht vor Ansteckung. Der Großteil der Praxen ist aber jetzt darauf eingestellt, Covid-19-Verdachtsfälle getrennt zu versorgen. Die Versorgungslage mit Schutzkleidung entspannt sich. Darum kommunizieren wir im Namen der Niedergelassenen an die Patienten: abgesagte Impfungen, U-Untersuchungen und Termine zur Vorsorge und Kontrolle können jetzt nachgeholt werden. Bei Erkältungssymptomen sollte zuvor telefonischer Kontakt mit der Praxis aufgenommen werden. Die Praxen stehen zur Regelversorgung wieder bereit.

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Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:
Gerade in diesen außergewöhnlichen Zeiten ist das ohnehin sehr gute Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und niedergelassenen Ärzten noch einmal stabiler geworden: Für viele Patienten sind die Ärzte mit ihren Praxisteams in der Corona-Krise die Ansprechpartner ihrer Wahl geblieben und bilden den Schutzwall des Gesundheitswesens. Nun ist es wichtig, in die Regelversorgung zurückzukehren, um sicherzustellen, dass Menschen dringend benötigte Behandlungen und Untersuchungen erhalten. Es wäre fatal, wenn sich die Sterblichkeit in Deutschland erhöhen würde, weil Erkrankungen wegen Covid-19 nicht rechtzeitig diagnostiziert und therapiert würden.

Bildnachweis: Jan Kopetzky, DKG/Manfred Wigger, Virchowbund/Lopata, axentis/Lopata
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