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Telemedizin auf Dauer?

Die Videosprechstunde hat sich während der Corona-Pandemie etabliert. Sollte sie auch in Zukunft ein fester Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation sein?

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Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Chairman des Health Innovation Hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit:
Die Medizin hat in den vergangenen Wochen aus der Not heraus einen Digitalisierungssprung in die Praxis gemacht. Die Video­sprechstunde zeigt, wie alltagstauglich digitale Technologien sein können. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung der Arzt-Patienten-Interaktion – insbesondere in der sprechenden Medizin. Unsere Studie mit 2.240 niedergelassenen Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten zeigt, dass über die Hälfte der niedergelassenen Ärzte Videosprechstunden anbietet. Wünschenswert wäre, die bestehenden Einschränkungen bei der Vergütung weiter zu lockern, um auch die asynchrone Kommunikation zwischen Arzt und Patient zuzulassen.

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Prof. Dr. Gernot Marx, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V.:
Die Covid-19-Pandemie zeigt, dass die Videosprechstunde ein effektives Instrument ist, um die Behandlung trotz räumlicher Distanz sicherzustellen. Sie ermöglicht es, Prozesse effizienter zu gestalten und Patienten so lange wie möglich zu Hause zu versorgen. Die Präsenzmedizin sollte nun konsequenterweise durch Telemonitoring ergänzt werden – auch über die Corona-Pandemie hinaus. So lassen sich unter Umständen beschwerliche Anreisen in die Arztpraxis vermeiden, indem relevante Vitaldaten digital erfasst und an den behandelnden Arzt übermittelt werden. Dieser kann dann im Bedarfsfall zielgerichtet agieren.

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Dr. Peter Müller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit:
Die Pandemie hat dazu geführt, dass mittlerweile über 60 Prozent der ambulant tätigen Ärzte Videosprechstunden nutzen oder gerade einrichten. In unserer gemeinsamen Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020“ mit dem Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums geben viele dieser Ärzte an, positiv überrascht zu sein – sowohl von der Technik als auch von den Einsatzmöglichkeiten. Und mehr als 80 Prozent von ihnen wollen den digitalen Arztbesuch nach der Pandemie als Ergänzung weiter nutzen. Das Verhältnis Video zu Präsenz unterscheidet sich dabei natürlich stark zwischen eher sprechenden und eher operativen Fachgebieten.

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Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer:
Die Videosprechstunde hat in der Pandemie den Praxistest bestanden. Die Selbstverwaltung hat mit der Ausweitung der Möglichkeiten für Videokonsultationen schnell und flexibel auf die Herausforderungen durch die Corona-Krise reagiert. Dadurch konnten Patienten geschützt und eine Überlastung der Praxen verhindert werden. Nach diesen positiven Erfahrungen wird die Videosprechstunde sicher auch in Zukunft eine stärkere Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. Voraussetzung ist allerdings, dass jetzt die dafür notwendige Infrastruktur aufgebaut und die entsprechenden Ressourcen freigegeben werden.

Bildnachweis: hih/Jan Pauls, Uniklinik RWTH Aachen, Stiftung Gesundheit, BÄK
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