Einwurf

Vorbild mindert Online-Risiken

Übermäßige Mediennutzung kann die Gesundheit von Heranwachsenden gefährden, warnt Lissy Ishag. Die Moderatorin sieht Eltern beim Umgang mit Apps und Spielen in einer Schlüsselrolle – aber nicht in alleiniger Verantwortung.

Porträt von Lissy Ishag, Moderatorin

Jetzt mach doch endlich mal aus!

Dieser Satz tönte im vergangenen Jahr wahrscheinlich häufig durch die Wohnzimmer. Wir diskutieren mit unseren Kindern über die Bildschirmzeit. Und das ist mit Lockdown und Homeschooling gar kein leichtes Thema. Denn ohne Kita, Schule und Sportverein haben die meisten Heranwachsenden jetzt vor allem eins: viel Zeit zu Hause – und vor dem Bildschirm.

Übermäßige Mediennutzung kann gesundheitliche Auswirkungen haben. Abends vorm Einschlafen noch zu lange vor dem grellen Display hängen zu bleiben, kann Schlaflänge und -qualität beeinflussen, auch schon bei den ganz Kleinen. In Videospielkreisen gilt der „Gaming-Ellbogen“ schon länger als Pro­blem und den „Smartphone-Daumen“ haben ein paar von uns sicher schon mal gespürt.

Jüngere Nutzerinnen und Nutzer können sich noch nicht auf ihre Medienkompetenz verlassen. Sie sind den inhaltlichen Risiken des Netzes aktuell mit steigender Bildschirmzeit länger ausgesetzt, also etwa Fake News, Cybermobbing, Gewaltdarstellungen und unrealistischen Schönheitsidealen. Bildschirmfreie Zeiten dürfen daher trotz Kontaktbeschränkungen nicht zu kurz kommen. Das ist umso zentraler, je jünger die Kinder sind – auch in Hinblick auf die Gesundheit.

Also Medien verteufeln, den Stecker ziehen und Verbote aussprechen, die einen Familienstreit vom Zaun brechen? So natürlich nicht. Damit würden unsere Kinder viele Möglichkeiten verpassen. Denn neben den Risiken stehen auch die Chancen der digitalen Angebote in all ihrer Vielfalt offen, die uns vernetzen, informieren, unterhalten und uns Neues beibringen.

Schneller als wir denken, schauen sich Kinder unsere Medien-Nutzungsweisen ab.

Viele Eltern fragen sich, wie sie die Medienkompetenz ihrer Kinder in der digitalisierten Welt verbessern können. Dazu müssen wir mit unseren Kindern darüber sprechen, was sie vor den Bildschirmen alles erleben. Als Filme nur im Fernsehen liefen und Videospiele nur im Laden gekauft werden konnten, waren Eltern besser informiert, was ihre Kinder in den Bildschirmmedien zu sehen bekamen. Heute findet Vieles außerhalb der Reichweite von Eltern auf dem Smartphone statt, Apps sind blitzschnell installiert, auch ohne Begleitung der Erwachsenen. Deshalb ist es wichtig, digitale Medien mit den Jüngeren gemeinsam zu entdecken und bei Älteren weiterhin Interesse zu zeigen. Eltern könnten neue Spiele oder Apps zusammen mit ihren Kindern ausprobieren, Fragen vom Abendbrottisch später mit den Kleinen googeln oder sich von den Jugendlichen den neuen Youtube-Star zeigen lassen.

Eltern, die wissen, was genau ihre Kinder mit digitalen Medien machen, in welchen Sozialen Netzwerken sie angemeldet sind oder welche Spiele sie spielen, können die Heranwachsenden begleiten, sich frühzeitig über Risiken informieren und gemeinsam Regeln vereinbaren. Dabei helfen Angebote wie der Medienratgeber „SCHAU HIN!“. Eltern sind aber auch gefragt, mit gutem Beispiel voranzugehen. Schneller als wir denken, schauen Kinder sich unsere Nutzungsweisen ab.

Vorbild sein, aufklären, Regeln vereinbaren: Medienerziehung kann für Eltern eine große Herausforderung sein. Dabei sind Eltern nicht allein in der Verantwortung. Das neue Jugendschutzgesetz verpflichtet künftig auch die Anbieter reichweitenstarker Online-Plattformen zu effektiven Schutzmaßnahmen gegen Mobbing, Belästigung und ungeeignete Inhalte. Eltern bekommen durch sichere Einstellungsmöglichkeiten wirksame In­strumente an die Hand, um ihre Kinder effektiv zu schützen, wenn sie online chatten, spielen und streamen. Durch einheitliche Alterskennzeichen erkennen sie bald auf den ersten Blick, welche Online-Angebote für ihre Kinder geeignet sind und welche Risiken die gekennzeichneten Sendungen und Spiele bergen. Durch einen besseren Schutz und mehr Orientierung haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, sich selbstbestimmt, kreativ und verantwortungsbewusst in der digitalen Welt zu bewegen und die vielfältigen Angebote sicher und mit Freude zu nutzen.

Weitere Informationen über „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“

Lissy Ishag ist seit Juli 2020 Botschafterin von „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“
Bildnachweis: Tom Lanzrath
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