Für Sie gelesen 4

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Gesellschaft

Ausblicke auf das künftige Leben

Wie wird die Welt von morgen aussehen? Was kommt auf uns zu? Die Corona-Pandemie hat zu einer völligen Umstellung unserer Lebensumstände geführt. Sie ist der Auftakt für weitere grundlegende Umwälzungen, die unser Leben auf den Kopf stellen werden, sind sich die Autoren sicher. Anhand von mehr als 450 sorgfältig recherchierter Quellen zeichnen sie nach, welche Prozesse die Pandemie massiv beschleunigt hat und welche Neuerungen durch sie in Gang gesetzt wurden. Davon inspiriert haben sie mehr als hundert Trends aufgespürt, die uns in der nächsten Dekade beschäftigen werden. Dabei schauen sie nicht nur nach Deutschland, sondern werfen ihren Blick auch auf Länder, die in Zukunft in der Welt­politik und -wirtschaft kräftig mitmischen werden. Manche Trends sind für viele Menschen hierzulande schon zum Alltag geworden, wie die Online-Kommunikation oder das bargeldlose Bezahlen. Andere sind eher noch Zukunfts­musik, zum Beispiel die unter die Haut implantierten Chips als Ersatz für den Autoschlüssel oder selbstständig fahrende Taxen. Doch auch, wenn wir manches gerne als Fantasterei abtun wollen – den Autoren gelingt es, lebhaft und eindrücklich zu belegen, dass der Weg dorthin schon längst geebnet ist. Ein fesselndes Buch, das dazu anregt, sich Gedanken über unser Leben in der Gesellschaft zu machen.
Andreas Dripke, Hang Nguyen: Die Dekade 2020–2030. Das kommt auf uns zu. 2021. 362 Seiten. 16,99 Euro. Verlag Diplomatic Council, Wiesbaden.

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Corona-Pandemie

Politik im Krisenmodus

Irgendwann, wenn die Corona-Krise Teil der Geschichte geworden ist, werden wir fragen, wie es sein konnte, dass Deutschland vom weltweit bewunderten Beispiel einer erfolgreichen Seuchenbekämpfung zum europäischen Krisengebiet wurde. Da ist es gut, ein Buch in der Hand zu haben, dass die Geschehnisse im Detail von Beginn an aufrollt und politisches Handeln in einer der größten Krisen des Landes nachvollziehbar macht. Anhand hunderter Dokumente, Protokolle, vertraulicher Vermerke und Augenzeugen­berichten erzählt das Journa­listenpaar informativ und spannend im Storytelling-Stil, wie sich das Virus aufmachte, die Welt zu erobern, und die Politik mit Verzögerung ihre Geschütze auffuhr. Es geht um das zähe Ringen der Politik um die richtigen Maßnahmen, die Diskussionen zwischen Virologen, Wirtschaftsbossen, Intensivmedizinern und Ethikern. Dabei wird der Leser Zeuge, von welchen Zweifeln und Unsicherheiten die Entscheidungsträger geplagt und von welchen Interessen sie getrieben sind. In herausragender Weise gelingt es den Autoren, nicht nur Deutschland im Blick zu haben, sondern den globalen Zusammenhang herzustellen und dabei die Rolle der WHO zu beleuchten. Kann es besser gehen? Ja, meinen sie, und fordern Politiker, die längerfristig denken und proaktiv handeln. Denn sicher ist: Das nächste Virus kommt.
Katja Gloger, Georg Mascolo: Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie. 2021. 334 Seiten. 22 Euro. Piper Verlag, München.

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Pflegebedürftige

Isolation statt sozialer Teilhabe

Pflegeheime sollten Orte des täglichen Lebens sein, de facto aber würden mehr denn je Schutz und Sicherheit statt sozialer Kontakte die Wirklichkeit bestimmen. Unter Corona sei die soziale Ausgrenzung unter dem Deckmantel des Infektionsschutzes eskaliert. „Die Vermeidung des biologischen Todes wird teuer erkauft mit dem sozialen Tod“. Mit dieser provokanten Aussage konfrontiert der Autor die Leser gleich zu Beginn seines wissenschaftlich-philosophischen Essays. Im ersten Teil legt der Sozialwissenschaftler dar, dass sich in den Pflegeheimen schon vorher eine Kultur der Kasernierung unter der Maxime „satt, sauber, sicher“ etabliert hat. Um die Gründe zu eruieren, taucht der Autor im zweiten Teil tief in die sozial-ethische Analyse ein. Er greift die Hypothesen der „Dämonen- und der apotropäischen Hygieneangst“ auf, überträgt sie auf die Situation der Pflegeheime in Zeiten von Corona und erörtert in komplexen, mitunter schwer verständlichen Gedankenspielen die Auswirkungen auf das Grundrecht auf Selbstbestimmung und -gefährdung. Sein Ausblick: Die Vision von einer nachhaltigen bedarfsgerechten Versorgungslandschaft gilt es weiter wach zu halten. Die soziale Wirklichkeit der Pflegelandschaft braucht einen anderen Geist, um auf Corona 2.0 vorbereitet zu sein.
Frank Schulz-Nieswandt: Der alte Mensch als Verschlusssache. 2021. 178 Seiten. 29 Euro. transcript Verlag, Bielefeld.

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Gesundheitswirtschaft

Fähigkeiten fürs digitale Arbeiten

Digitalisierung und Innova­tion erfordern im Gesundheitswesen neue Kompetenzen. Gefragt sind erweiterte Fähigkeiten auf der personellen, sozialen und methodischen Ebene, die Arbeitnehmern und -gebern gleichermaßen abverlangt werden. Dies setzt voraus, dass in den Unternehmen Kapazitäten geschaffen werden, um diese neuen Schlüsselkompetenzen zu fördern. Übersichtlich unterteilt in die drei Bereiche Classic Skills, New Work Skills und Digital Skills gibt das Praxisbuch wertvolle Hilfestellung, wie die Gesundheitsbranche diese Herausforderung meistern kann. Im Fokus stehen 38 Kompetenzen, wie Achtsamkeit, Innovationsfähigkeit oder Digital Leadership Excellence. Sie zeigen, dass menschliche Fähigkeiten mehr denn je bedeutsam sind. Die Autoren erläutern ihre grundsätzliche Bedeutung, benennen die Anwendungsfelder in der Arbeitswelt und beschreiben die inneren und äußeren Voraussetzungen, die für eine Förderung gegeben sein müssen. Wie die Umsetzung in die Praxis ge­lingen kann, dokumentieren zahlreiche Beispiele. Farbige Abbildungen, kurze Auflistungen, Zitate und Anekdoten machen das Buch übersichtlich und verständlich.
David Matusiewicz, Jochen A. Werner (Hrsg.): Future Skills in Medizin und Gesundheit. 2021. 242 Seiten. 39,95 Euro. Medizinisch-Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin.

Beate Ebbers ist freie Journalistin in Peine.
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