Spaß am Zähneputzen: Die richtige Zahnpflege von klein auf beugt Karies vor.
Kariesprävention

Meilenstein für die Zahngesundheit

Erstmals gibt es gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Kariesvorbeugung bei Säuglingen und Kindern bis sechs Jahre. Mit dem Konsens legen Kinder- und Zahnärzte eine jahrelange Debatte um den richtigen Fluorideinsatz bei. Von Thomas Rottschäfer

Für Kinderzähne

lauern überall Gefahren: Naschkram, süße Säfte und viel versteckter Zucker im Essen. Wenn unsichere Eltern bisher fragten, wie sich die empfindlichen Milchzähne am besten schützen lassen, bekamen sie vom Kinderarzt oft andere Tipps als beim ersten Zahnarztbesuch. Kinderärzte schwören auf Fluorid-Tabletten zur Kariesvorbeugung. Dagegen setzen Zahnärzte auf fluoridhaltige Zahncremes ab den ersten Zähnchen. „Der Fachstreit verhinderte lange gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention für Kinder bis sechs Jahre“, erläutert Annett Neukampf, Referentin für Zahnärztliche Versorgung beim AOK-Bundesverband.

Fluorid von Geburt an.

Vermittelt durch das beim Bundeszentrum für Ernährung angesiedelte „Netzwerk Gesund ins Leben“ einigten sich die beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen nun auf gemeinsame Empfehlungen für die „Kariesprophylaxe mit Fluorid im Säuglings- und frühen Kindesalter“. Danach sollen Eltern ihren Kindern schon ab Geburt täglich eine Fluorid-Tablette in Kombination mit Vitamin D geben, bei Bedarf aufgelöst in ein paar Tröpfchen Wasser. Etwa ab dem sechsten Monat sollten die Eltern dann mit dem Kinderarzt oder mit dem Zahnarzt bei der ersten zahnärztlichen Früherkennungsunter­suchung besprechen, ob Fluorid weiter über eine Tablette oder über die Zahncreme eingesetzt wird.

„Das ist ein Meilenstein für die Zahngesundheit“, begrüßt Neukampf den Kompromiss. Als Vertreterin der gesetzlichen Krankenkassen in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) engagiert sich die AOK-Expertin seit Langem für bessere Kariesprävention. Die DAJ habe sich klar für die einheitliche Empfehlung engagiert, Zähne von Geburt an mit Fluorid zu schützen. Neben der Begrenzung von süßen Speisen und Getränken und der regelmäßigen Zahnreinigung spiele die Fluoridanwendung eine Schlüsselrolle in der Kariesvorbeugung. „Die Zahnschmelzhärtung mittels Fluoriden ist bereits seit 1989 Teil des gesetzlichen Auftrags der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe.“

Prophylaxe wirkt sich positiv aus.

Durch die Einführung der Gruppen- und Individualprophylaxe, den Einsatz von Fluoridlacken und die konsequente Aufklärung wurden laut DAJ deutliche Fortschritte bei der Zahngesundheit erzielt. Bei den Zwölfjährigen liege Deutschland im internationalen Vergleich auf einem Spitzenplatz. Doch bei den Sechs- bis Siebenjährigen ist nach DAJ-Daten immer noch fast die Hälfte von Karies betroffen, besonders oft seien es Kinder aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien. Deshalb seien in den 380 re­gionalen Arbeitskreisen für Jugendzahnpflege einheitliche, professionsüber­greifende wissenschaftliche Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden „sehnsüchtig erwartet“ worden, sagte DAJ-Geschäftsführerin Bettina Berg. Der Disput habe den Akteurinnen und Akteuren der Gruppenprophylaxe vor Ort „seit Jahren die Präventionsarbeit schwergemacht“.

Die Jugendzahnpflege-Arbeitskreise setzen die Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen um. Dazu gehört neben dem gemeinsamen Zähneputzen-Lernen auch die Eltern-Information. Mit der Gruppenprophylaxe werden laut DAJ allein rund 1,9 Millionen Kita-Kinder jährlich erreicht, davon etwa ein Drittel unter drei Jahren.

Thomas Rottschäfer ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Gesundheitspolitik.
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