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Rundruf

Kinder als Verlierer der Krise?

In der Pandemie sind Kinder und Jugendliche besonders stark durch die Einschränkungen belastet. Was muss passieren, damit sie nicht noch mehr Schaden nehmen?

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Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin:
Wir planen fest, auch nach den Sommerferien einen Regelbetrieb in Präsenz zu ermöglichen. Dabei werden Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen. Unabhängig davon unterstützen die Länder bereits über Ferien-Lernangebote. Im Rahmen von „Aufholen nach Corona“ beteiligt sich der Bund finanziell an unterrichtsbegleitenden Fördermaßnahmen sowie Maßnahmen zur Begleitung der psycho-emotionalen Entwicklung im Alltag und in der Schule.

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Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V.:
Keine Bevölkerungsgruppe hat mehr Opfer bringen müssen. Geschlossene Kitas und Schulen und Kontaktbeschränkungen haben massive Folgen: Angst- und Zwangsstörungen, Motivationsverlust bis hin zu Depressionen und Essstörungen, Adipositas durch Bewegungsmangel, zu viel Mediennutzung und große Bildungsdefizite. Das zeigen Studien, und das sehen wir in unseren Praxen. Und wie immer trifft es die sozial benachteiligten Kinder am härtesten. Wir brauchen offene Kitas und Schulen mit wirksamen Hygienekonzepten, viele Freizeitmöglichkeiten und ein Impfangebot. Vor allem aber: so viel Normalität wie möglich!

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Prof. Dr. Karin Böllert, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Münster:
Zukunftsängste junger Menschen haben seit dem zweiten Lockdown zugenommen. Das ist eine ganz normale Reaktion. Wenn nur noch wenig im Leben so ist, wie man es kennt, dann nehmen Sorgen zu. Die große Anzahl der jungen Menschen ist überzeugt davon, dass sie trotzdem in der Gesellschaft ihren Platz finden. Sie wollen nicht als Corona-Generation abgestempelt werden. Kinder- und Jugendfreizeitstätten, Jugendherbergen und auch Ferienangebote für junge Menschen warten darauf, wieder öffnen zu können. Die Politik sollte dringend den Startschuss für notwendige Öffnungsperspektiven geben.

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Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Bundesverband e. V.:
Kinder brauchen andere Kinder. Die Kontaktbeschränkungen treffen die Jüngsten hart und schaden ihrer Entwicklung. Deshalb habe ich schon im Januar ein Investitionsprogramm gefordert, damit Kinder und Jugendliche ab dem Sommer die Möglichkeit bekommen, Defizite aufzuholen. Schwimmkurse, Nachhilfe, Sport – all das ist natürlich sehr wichtig. Noch wichtiger ist, dass sie wieder Freunde treffen können und unbeschwert Kind sein dürfen. Deshalb brauchen wir auch Angebote zur Erholung und Freizeit. Da unter den Jugendlichen die Schulabbrecher-Quoten stark gestiegen sind, fordere ich außerbetriebliche Angebote und eine Ausbildungsplatzgarantie. Diese jungen Menschen dürfen von der Gesellschaft nicht im Stich gelassen werden.

Bildnachweis: KMK, Frank Schoepgens Fotografie Köln, privat, DKSB
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