Infektionsprävention

Debatte: Mehr Aufmerksamkeit für Hygiene

Patienten mit ansteckenden Krankheiten, verunreinigte Geräte: Nicht erst seit Beginn der Covid-19-Pandemie bestehen in Arztpraxen Infektionsrisiken. Wie sie sich minimieren lassen, beschreibt die Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit, Dr. Ruth Hecker.

Volle Wartezimmer, ungelüftete Behandlungsräume,

kein Desinfektionsmittel am Eingang einer Praxis – heute fast undenkbar. Durch die Covid-19-Pandemie hat sich viel verändert, nicht nur die Einstellungen, sondern auch das Verhalten der Menschen: Händehygiene ist keine Ausnahme mehr, und auf das Händeschütteln verzichten Menschen in der Regel.
 
Ambulante Einrichtungen waren jedoch schon vor der Pandemie vermehrt mit Infektionsrisiken konfrontiert. Eine steigende Anzahl der zu versorgenden Patienten und eine stetig stattfindende Verlagerung von invasiven Behandlungen in die ambulante Versorgung, führen seit Jahren zu einem erhöhten Risiko für die Patienten- und Mitarbeitersicherheit. Obwohl keine Daten zum Auftreten von Infektionen in der ambulanten Versorgung vorliegen, ist spätestens seit der Pandemie allen klar, dass Infektionsprävention auch in Praxen erforderlich ist, um die Übertragung von Erregern zwischen Patientinnen und Patienten und Personal zu verhindern.

Händehygiene ermöglichen.

Wie überall, wo Menschen zusammentreffen, spielt auch in Praxen die Übertragung von Infektionserregern durch den direkten Kontakt eine entscheidende Rolle. Die Patienten können sich anstecken, wenn Erreger über die Hände der Mitarbeitenden übertragen werden. Umgekehrt können sich auch die Mitarbeitenden infizieren und erkranken. Die wichtigste und effektivste Maßnahme, um eine direkte Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern, ist die Händehygiene. Damit diese effektiv umgesetzt werden kann, müssen alkoholische Händedesinfektionsmittel in direkter Nähe zur Patientenversorgung verfügbar sein, Mitarbeitende regelmäßig geschult und die Arbeitsabläufe beobachtet werden.

Das Praxisteam sollte zu Impfungen geschult und selbst durch Impfungen geschützt sein.

In Praxen und anderen Gesundheitseinrichtungen gibt es darüber hinaus spezielle Risiken, die zu Infektionen bei Patienten und Mitarbeitenden führen können. Dazu gehören die Zubereitung und Verabreichung von Medikamenten. Auch Medizinprodukte wie beispielsweise Ultraschallsonden oder Koloskope zur Darmspiegelung können Infektionen beim Menschen verursachen, wenn sie unsachgemäß gereinigt und desinfiziert werden.

Schutzkleidung vorhalten.

Häufig suchen Patienten mit infektiösen Atemwegs- oder Magen- und Darmerkrankungen Arztpraxen auf. Dann können Erreger beim Handkontakt oder beim Kontakt mit Gegenständen wie beispielsweise bei der Toilettenbenutzung übertragen werden. In Praxen sollte deswegen schriftlich festgelegt sein, wie mit ansteckenden Patienten umzugehen ist, und Schutzkleidung zur Verfügung stehen.
 
Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten medizinischen Maßnahmen, um vor ansteckenden Krankheiten und ihren Komplikationen zu schützen. Allerdings weisen besonders Jugendliche und junge Erwachsene größere Impflücken auf. Oftmals sind sich Patienten ihrer Impflücken nicht bewusst und kennen zudem ihren Impfstatus nicht. Die Vielfalt von Impfstoffen birgt außerdem das Risiko der Unübersichtlichkeit. Deswegen ist es wichtig, dass Mitarbeitende an die Prüfung des Impfstatus denken, sich Zeit für die Beratung nehmen und Impfungen vorrätig halten. Das Praxisteam sollte zu Impfungen geschult und selbst durch Impfungen geschützt sein.

Handlungsempfehlung nutzen.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat die Handlungsempfehlung „Hygiene in der Arztpraxis“ veröffentlicht. Sie soll die Aufmerksamkeit für die Infektionsprävention erhöhen und enthält Beispiele für Risiken sowie die gelungene Umsetzung von Infektionsprävention. Checklisten und Tipps helfen dabei, Verbesserungspotenzial im Praxisablauf zu identifizieren. Die Handlungsempfehlung wendet sich an Ärzte, Betreiber und Medizinische Fachangestellte in ambulanten Praxen und Medizinischen Versorgungszentren sowie an zugehörige Ausbildungsbereiche. Auch ambulante Pflegedienste, Physiotherapie-Praxen und andere Gesundheitsanbieter sind aufgerufen, für sie passende Anregungen zur Infektionsprävention aus der vorliegenden Handlungsempfehlung in ihren Alltag zu übernehmen.

Damit auch Patienten und Angehörige ihren Anteil in der Infektionsvermeidung leisten können, entwickelt das Aktionsbündnis derzeit eine Patienteninformation, die voraussichtlich im Herbst 2021 erscheint. Die Broschüre empfiehlt konkrete Schritte, die Patienten und Angehörige eigenständig umsetzen können, um sich vor Infektionen zu schützen.

Ruth Hecker, Fachärztin für Anästhesie, ist Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.
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