Porträt
Selbstverwaltung im Gespräch

„Pflege flexibel und zukunftssicher ausrichten“

Die Pflegeversicherung ist eine der Baustellen für die nächste Wahlperiode. Traudel Gemmer, alternierende Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Sachsen-Anhalt, fordert von der Politik neue Weichenstellungen.

G+G: Frau Gemmer, neben den Herausforderungen finanzieller Art: Wo sind bei der Pflege Reformen besonders dringend?

Traudel Gemmer: Wir müssen die Pflege flexibel und zukunftssicher ausrichten. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist unsere größte Sorge. Außerdem brauchen pflegende Angehörige stärkere Unterstützung. Hinzu kommen regionale Unterschiede in der Angebotsvielfalt zwischen Stadt und Land. Auch wegen der Versorgungsbrüche zwischen den Sektoren gibt es einen hohen Reformbedarf.  

G+G: Welche Lösungsansätze gibt es?

Gemmer: Unsere Pflegekräfte verdienen die Anerkennung unserer Gesellschaft – eine gerechte Bezahlung, mit der wir ihre Arbeit wertschätzen. Außerdem müssen wir mehr Menschen in die Pflegeberufe bringen, zum Beispiel indem wir Abschlüsse konsequenter anerkennen. Zur Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen sollten zudem bei ausgewählten, besonders förderungswürdigen Leistungen die pflegebedingten Aufwendungen vollständig finanziert werden. Das gilt etwa für eine ressourcenorientierte Kurzzeitpflege, die auf möglichst viel Selbstständigkeit setzt.

G+G: Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Pflegesektor?

Gemmer: Das Potenzial der Digitalisierung sollten wir dort weiter ausbauen, wo es sinnvoll ist. Zwingend notwendig ist zum Beispiel eine vernetzte Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen, Kommunen, Behörden und Pflegekassen. Auch müssen mehr Projekte zur Vernetzung und Digitalisierung in der Pflege gefördert werden.

Bildnachweis: AOK Sachsen-Anhalt
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