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Rundruf

Grenzen für Apps auf Rezept?

Seit gut einem Jahr können Ärzte Digitale Gesundheitsanwendungen zulasten der Krankenkassen verschreiben. Sind sie uneingeschränkt von Nutzen und verbessern die gesundheitliche Versorgung?

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Sebastian Zilch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Gesundheits-IT e.V.:
Mit den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) ist es erfolgreich gelungen, für Patienten in vergleichsweise kurzer Zeit ein vielfältiges Angebot an Anwendungen zu unterschiedlichen Indikationen zu schaffen. Die DiGA bieten dabei große Chancen für eine selbstorganisiertere und besser begleitete Versorgung. Nun gilt es, die Leistungserbringer verstärkt mit Kampagnen und Schulungen von den Potenzialen zu überzeugen und das Vertrauen in den Prüfprozess zu festigen. Angesichts der Mehrwerte sollten zudem perspektivisch auch DiGA höherer Risikoklassen ermöglicht werden.

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Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V.:
Digitale Gesundheitsanwendungen bieten große Potenziale für eine innovative zukünftige Gesundheitsversorgung. Sie können den Austausch zwischen den Behandelnden und den Patienten verbessern. Besonders wichtig ist, dass medizinische Daten für alle gut verständlich aufbereitet werden. So gelingt auch das Gespräch mit dem Arzt auf Augenhöhe weit besser. Obwohl das Smartphone bei vielen Menschen in Deutschland bereits fester Bestandteil des Alltags ist, sind die Anlaufschwierigkeiten bei den digitalen Gesundheitsanwendungen gegenwärtig noch gewaltig.

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Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:
Digitale Gesundheitsanwendungen sollten sich vor allem an ihrem medizinischen Nutzen messen lassen – dieser ist für sie aber zurzeit nicht der entscheidende Maßstab. Für verordnende Ärzte und Psychotherapeuten fehlen kompakte und unabhängige Informationen, die über Eigenangaben der Hersteller hinausgehen. Erstattungshöhen von teilweise mehr als 700 Euro pro Patient werfen Fragen der Wirtschaftlichkeit auf. Die bisher geringen Nutzerzahlen der Apps überraschen daher nicht. Wenn ihre Vorteile für professionelle Anwender überzeugend nachgewiesen sind, können DiGA möglicherweise aber eine Ergänzung in der vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung sein.

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Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundes­verbandes:
Für Patienten ist es entscheidend, dass die von Ärzten verordneten und von den Krankenkassen erstatteten medizinischen Anwendungen einen echten medizinisch-therapeutischen Nutzen bieten. Einzelne DiGA können die Versorgung der Versicherten sinnvoll ergänzen oder verbessern. Die aktuellen Anforderungen erschweren es allerdings, die Spreu vom Weizen zu trennen. So können auch Studien mit sehr niedriger Qualität beziehungsweise mit ungeeigneten Vergleichsgruppen herangezogen werden. Zudem stellen wir fest, dass Produkte nach der Listung im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte massive Preissprünge machen. Die freie Preisbildung für DiGA im ersten Jahr belastet das sowieso schon massiv unter Druck stehende GKV-System.

Bildnachweis: bvitg, Gert Baumbach/vzbv, Lopata/axentis.de, AOK-Bundesverband
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