Porträt
Kommentar

Mehr Mindestvorgaben

Bei komplexen OPs sollen Mindestmengen für bessere Qualität sorgen. Sie sollten ausgeweitet, konsequent umgesetzt und strenger kontrolliert werden, meint Rainer Woratschka.

Und wieder sind es 13 weniger.

Nur noch 1.070 der rund 2.000 Kliniken hierzulande dürfen 2022 Operationen mit hohen Risiken durchführen. Häuser, die bei schwierigen Eingriffen oder Versorgungsfällen unter einer festgelegten Mindestmenge liegen, sind raus – weil sie dafür nicht genug Erfahrung haben. Alles andere wäre für Patienten zu gefährlich.

Das Spektrum reicht von 942 Kliniken, die Kniegelenke implantieren dürfen, bis zu 21 Häusern für Lebertransplantationen. Mit Mindestmengen belegt sind zudem Verpflanzungen von Nieren und Stammzellen, komplexe Operationen von Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse sowie die Versorgung von Frühgeborenen unter 1.250 Gramm.

Mit der Erfahrung dabei muss es dennoch nicht weit her sein. Für die Erlaubnis bestimmter Behandlungen genügen dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) oft schon zwei Dutzend, beim Pankreas gerade mal zehn Fälle pro Jahr. Und in der Pandemie gibt es auch noch Ausnahmegenehmigungen.

Spezialisierte Kliniken sind ein Gewinn für die Patienten.

Einreißen sollte solche Großzügigkeit nicht. Denn natürlich ärgert es Klinikbetreiber, wenn sie an der nötigen Fallzahl für gut honorierte Eingriffe vorbeischrammen.

Da wird dann versucht zu feilschen und Druck zu machen. Ein Beispiel dafür sind gerade entsprechende Versuche von SPD und Linken für den Erhalt von Frühchen-Stationen in Mecklenburg-Vorpommern. Gut und hilfreich ist es, dass bei Ausnahmen immer die Krankenkassen zustimmen müssen. Denn wurde irgendwo damit begonnen, wollen andere auch. Und im internationalen Vergleich sind unsere Mindestmengen ohnehin gespenstisch niedrig.

Wichtig ist daher viererlei. Beschlossene Mindestmengen müssen konsequent und auch gegen Widerstände durchgesetzt werden. Der GBA sollte schneller als bisher neue Mindestmengen verabschieden. Generell braucht es bessere Kontrollen der Ergebnisqualität in Krankenhäusern. Und perspektivisch sollte daran auch die Honorierung ausgerichtet werden.
 
Das könnte helfen, dass es auch ohne mühsame Großreform mit dem nötigen Umbau unserer Krankenhauslandschaft vorangeht. Weniger Wald- und Wiesenkliniken, die sich mit gewagter Behandlung komplexer Fälle über Wasser zu halten versuchen, dafür mehr spezialisierte Kliniken mit höherer Fallzahl: Für die Patienten wäre es ein Gewinn.

Rainer Woratschka ist gesundheitspolitischer Redakteur beim Berliner Tagesspiegel.
Bildnachweis: privat
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