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Rundruf

Wie Pflegepersonal gewinnen?

Die Pandemie hat den Mangel an Personal in der Pflege deutlich gemacht. Aktuell fehlen in Deutschland 200.000 Pflege­kräfte. Doch wie lässt sich das Blatt wenden?

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Prof. Dr. Christel Bienstein, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe – Bundesverband e. V.:
Pflege­fachpersonen bleiben im Beruf, wenn sie die pflegerische Versorgung so umsetzen können, wie sie es gelernt haben. Der Personalmangel verhindert das und dies belastet enorm. Es muss eine Personalbemessung her, die am tatsächlichen pflegerischen Bedarf ausgerichtet ist und auch durchgesetzt wird. Mit besseren Gehältern lassen sich die Stellen dann besetzen. Für Qualifikation, Verantwortung und Belastung wäre ein Einstiegsgrundgehalt von 4.000 Euro brutto fair. Karrieremöglichkeiten und eigenständige heilkundliche Aufgaben würden den Beruf ebenfalls attraktiver machen.

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Prof. Dr. Jens Scholz, Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands e. V.:
Hochtechnologische Therapie, personalisierte Medizin und vielschichtige Patientensituationen erfordern psychische und physische Belastbarkeit. Vor allem die Universitätsmedizin braucht Pflegefachpersonen, die anspruchsvollen Patientenbedarfen begegnen. Dies betrifft auch die Übernahme von Tätigkeiten, die noch Ärzten vorbehalten sind. Wir brauchen neben gesellschaftlicher Anerkennung eine Krankenhausstrukturreform: Weniger und größere, spezialisierte Krankenhäuser, mehr ambulante Versorgung in Kliniken. Nur wenn das Personal zum Einsatz kommt, wo es gebraucht wird, lässt sich Überlastung verhindern.

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Prof. Dr. Gabriele Meyer, Leiterin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Universität Halle-Wittenberg:
Die simple Antwort auf diese (gesellschaftlich) komplexe Herausforderung gibt es nicht. Die Reduktion der Pflegeverhältniszahlen wird ein wirksamer Mechanismus sein, der die Berufszufriedenheit und Bereitschaft im Beruf zu verbleiben positiv beeinflusst. Es gibt andere Stellgrößen wie verbesserte Arbeitsbedingungen und -modelle, unter anderem zur besseren Vereinbarkeit mit Familienarbeit. Auch bessere Gehälter und mehr Gehaltsgerechtigkeit zwischen den Pflegeberufen und Regionen, der Ausbau von Karrierepfaden und die hochschulische Ausbildung mit erweiterten Kompetenzprofilen sind zu nennen.

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Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa):
Pflegeeinrichtungen stehen im Wettbewerb mit vielen anderen Branchen um den Nachwuchs. Gleichzeitig scheiden in den nächsten Jahren die Pflegekräfte der Babyboomer-Generation altersbedingt aus. Wir brauchen also massive Maßnahmen für mehr Pflegekräfte, durch einen Ausbau der Schulstrukturen im Inland, unterschiedliche Qualifikationsniveaus nach den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und schnelle Anerkennungsverfahren bei Zuwanderung aus dem Ausland. Neben dem Gewinnen steht das Halten. Dazu können Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung beitragen, die wir in mehreren Bundesländern in erfolgreichen Modellprojekten aufgezeigt haben.

Bildnachweis: Gudrun Arndt, VUD, Deutscher Ethikrat/Reiner Zensen, bpa
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