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Rundruf

Alles ohne Maske?

Die Corona-Inzidenzen verharren auf hohem Niveau, doch die meisten Vorschriften sind ausgelaufen. Welche Regeln zum Schutz vor Covid-19 brauchen wir künftig noch?

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Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages:
Die Corona-Pandemie ist auch nach zwei Jahren noch nicht vorbei. Wir sehen mit Sorge auf den Herbst und vermissen Vorbereitungen der Bundesregierung. Denn Virologen erwarten ganz klar im Herbst eine neue Corona-Welle. Es passt deshalb nicht, dass das geänderte Infektionsschutzgesetz die Instrumente für Länder und Städte beschnitten hat. Es könnte zum Beispiel sein, dass in ein paar Monaten die Maskenpflicht im Einzelhandel wieder eingeführt werden muss, weil eine gefährliche Virusvariante auftritt. Dann muss für eine bundesweite Regelung das Infektionsschutzgesetz wieder angepasst werden.

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Prof. Dr. Carsten Watzl, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund:
Unser Ziel muss sein, die Erkrankung und nicht die Infektion zu verhindern. Die wichtigste Maßnahme ist die Immunität der Bevölkerung durch eine Dreifachimpfung, wobei die Infektion eine Impfdosis ersetzen kann. Für immungeschwächte Menschen, die nicht ausreichend durch die Impfung geschützt sind, muss die Behandlung mit anti-viralen Medikamenten und Antikörpern weiterentwickelt werden. Bei hohem Infektionsdruck ist für diese Menschen aber weiterhin ein Infektionsschutz durch Masken und Hygienemaßnahmen notwendig, besonders in Innenräumen. Und Masken wirken am besten, wenn alle sie tragen.

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Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz:
Seit Wochen werden regelmäßig mehr als 300 Corona-Tote täglich gezählt. Doch der Umgang mit dem Virus wird in Deutschland immer lockerer. Tatsächlich haben die Bundesländer aber nach mehr als zwei Jahren keinen ausreichenden Basisschutz zustande gebracht. Konsequentes Testen gilt es nach wie vor dort zu garantieren, wo die Hochrisikogruppe lebt. Unfassbar ist, dass selbst Angehörige vulnerabler Menschen trotz weiterhin hoher Fallzahlen keinen Rechtsanspruch auf PCR-Testung haben, wenn ihre Corona-Warn-App ein erhöhtes Risiko meldet. Der Bundesgesundheitsminister muss das sofort ändern.

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Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft:
Es ist fahrlässig von der Politik, nach dem Ende der Maskenpflicht in den Schulen jetzt auch noch die bewährten Teststrategien zu kippen. Damit gibt es keine flächendeckend wirksamen Präventionsmaßnahmen mehr, die die Gesundheit der Beschäftigten, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern schützen. An sehr vielen Schulen sind bis heute Luftfilteranlagen und andere Schutzmaßnahmen Mangelware. Die Pandemie ist noch nicht vorbei: Aktuell bleiben Inzidenzwerte und Hospitalisierungsrate insbesondere an Schulen hoch. Daher sind Hygiene, regelmäßiges Lüften der Klassenräume und das Identifizieren von Erkrankten weiterhin wichtig.

Bildnachweis: Laurence Chaperon, IfADo, Deutsche Stiftung Patientenschutz, Kay Herschelmann
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