Portrait
Selbstverwaltung im Gespräch

„Auch das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit ist wichtig“

Eine Schweizer Studie zeigt: Beschäftigte, die in der Freizeit am Laptop oder mit dem Smartphone arbeiten, sind unzufriedener. Dazu Fragen an Monika Lersmacher, Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg.

G+G: Frau Lersmacher, fordert die Digitalisierung unserer Arbeitswelt auch ihren Tribut?

Monika Lersmacher: Mobiles Arbeiten kann dazu beitragen, die Vereinbarkeit der Arbeitstätigkeit und der persönlichen Lebensführung zu verbessern und eine flexible Gestaltung von Arbeitsort und -zeit im privaten und betrieblichen Interesse zu ermöglichen. Wenn jedoch die klassische Trennung zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmt, dann gewinnt die Achtsamkeit für persönliche Grenzen und die eigene Gesundheit an Relevanz.

G+G: Was raten Sie den Beschäftigten konkret?

Lersmacher: Wer immer erreichbar ist, muss seine Erholungszeiten selbstverantwortlich absichern und individuelle Strategien zum Umgang mit Stress entwickeln. Das bedeutet, die eigenen Ressourcen und Grenzen zu kennen und gegebenenfalls auch mal „Nein“ zu sagen, wenn eine Anfrage reinkommt. Auch Vorgesetzte können sich ihrer Verantwortung beim mobilen Arbeiten nicht entziehen, nur weil Beschäftigte nicht im Büro arbeiten. Neben dem Recht auf mobiles Arbeiten ist auch das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit wichtig.

G+G: Welche Angebote hält die AOK Baden-Württemberg bereit, damit ihren Versicherten eine bessere Stressbewältigung gelingen kann?

Lersmacher: Für alle, die lernen wollen, Herausforderungen entspannt zu meistern und Selbstfürsorge aktiv zu leben, gibt es das für die AOK Baden-Württemberg entwickelte Programm „Lebe Balance“ – als App, Online-Webinar, Seminar oder als Buch. Zur Stärkung der psychischen Gesundheit im Unternehmen bietet die Gesundheitskasse das Präventionsprogramm auch für Beschäftigte und Führungskräfte an.

Bildnachweis: AOK Baden-Württemberg
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