Für Sie gelesen 4

Cover des Buches
Karriere

Inspiration durch Good Practices

Mit 79 Prozent der Beschäftigten sind Frauen im Gesundheitswesen insgesamt über­repräsentiert, nicht aber in Führungspositionen. Auch bei der Transformation der Medizin und Gesundheitswirtschaft in das digitale Zeitalter besteht die Gefahr, dass überwiegend Männer die notwendigen Veränderungen gestalten. Dabei gibt es sehr viele Frauen, die hochkompetent und engagiert den Digital-Health-Bereich nach vorne bringen wollen, haben die Herausgeber beobachtet. Mit ihrem Buch beabsichtigen sie, die Bedeutung der Frauen in der Zukunft der Medizin greifbar zu machen und mit konkreten Rollenvorbildern Mut und Inspirationen für Veränderungen zu geben. Besonders wertvoll sind die zahlreichen persönlichen Erfahrungsberichte, die sich durch das gesamte Werk ziehen. Aus eigener Perspektive berichten Autorinnen und Autoren der Gesundheitsbranche, welche Vorteile sie in frauengeführten oder diversen Gründungs- und Führungsteams sehen und wie sie selbst in ihrem Unternehmen Frauen gezielt fördern. Dabei diskutieren sie auch Gründe für den geringen Anteil an Frauen in Führungspositionen, die sie bei ihrer Arbeit beobachteten. Mit Tipps für die Karriereplanung ist das Buch ein Gewinn für alle Frauen, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen.
Sylvia Thun, Stefan Heinemann, Jana Luisa Aulenkamp (Hrsg.): Frauen in der digitalen Zukunft der Medizin und Gesundheitswirtschaft. 2021. 512 Seiten. 99,99 Euro. Verlag medhochzwei, Heidelberg.

Grünes Cover des Buches
Demenz

Lasten pflegender Angehöriger

Demenz zählt zu den zentralen Herausforderungen der gegenwärtigen Gesellschaft des langen Lebens. Dabei ist nicht nur der Umgang mit der Diagnose von Relevanz, sondern insbesondere auch die Pflege der Betroffenen. Diese übernehmen meistens Angehörige. Was es bedeutet, wenn wegen der Diagnose Demenz die gemeinsamen Pläne ad acta gelegt werden müssen, mit welchen Herausforderungen sich die Pflegenden im Alltag konfrontiert sehen und wie sie ihre Situation erleben, beleuchtet die Soziologin Anne Münch in ihrer Studie. Dafür interviewte sie 16 Betroffene und führte anschließend eine Analyse zur Bedeutung von Zeit und Geschlecht durch. Die Ergebnisse legt sie im Hauptteil des Buches ausführlich dar. Diese verdeutlichen die zeitlichen Grenzen, an die ältere pfle­gende Angehörige in den unterschiedlichen Phasen der Demenz bei der Gestaltung des Alltags sowie der noch verbleibenden Lebenszeit stoßen. Und sie zeigen, dass Frauen und Männer unterschiedlich pflegen. Am Schluss ihres Buches formuliert die Autorin die Konsequenzen, die sich daraus für die tägliche Betreuung durch die pflegenden Angehörigen ableiten lassen. Hilfreich ist der Aufbau des Buches: Die Verzahnung von Theorie und Empirie ermöglicht es, nur einzelne Kapitel zu lesen und dabei alle relevanten Informationen mit dem notwendigen Hintergrundwissen zu erhalten.
Anne Münch: Häusliche Pflege am Limit. 2021. 294 Seiten. 39 Euro. Verlag transcript, Bielefeld.

Cover des Buches
Neue Technologien

Digitale Hilfen für den Pflegealltag

Die Beiträge in dem Buch basieren auf den Ergebnissen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „Pflege­praxiszentrum Berlin“. Darin ist neben weiteren Projekten in anderen Städten der Einsatz moderner Technologien in der pflegerischen Versorgung erprobt worden. Nach einer Vorstellung des Pflegepraxiszentrums Berlin und seines Beitrages zum Projekt greifen die Autorinnen und Autoren kapitelweise die erprobten Innovationstechnologien auf. Sie untersuchen und bewerten diese aus der Perspektive der Pflegenden und der Pflege­bedürftigen. Wesentliches Kriterium dabei ist, ob die Innovation die Pflegenden entlastet und die Pflegeprozesse verbessert. Analysiert werden unter anderem die Einführung und Anwendung eines Instruments für ethische Reflexionsprozesse im Pflegealltag, die elektronische Pflegekurve und smarte Harninkontinenzsysteme. Auch auf die Problematik der Implementierung und Finanzierung neuer Technolo­gien wird ausführlich in einem eigenen Kapitel eingegangen. Zahlreiche Fallbeispiele, Erfahrungsberichte und Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Auswahl und Einführung digitaler Tech­nologien in die Pflege liefern Anregungen und Hilfen für die Praxis.
Uwe Bettig, Mona Frommelt, Helene Maucher et al. (Hrsg.): Digitalisierung in der Pflege. 2021. 156 Seiten. 44,99 Euro. Verlag medhochzwei, Heidelberg.

Cover des Buches
Geschichte

Gemeinsinn im Wandel der Zeit

Rücksicht nehmen, zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und schützen – wohl niemals zuvor in der jüngsten Geschichte ist die Solidarität so eindrücklich beschworen worden wie in der Corona-Pandemie. Grund genug für die Historiker Dietmar Süß und Cornelius Torp, den Begriff „Solidarität“ genauer unter die Lupe zu nehmen und ihn im historischen Kontext einzuordnen. Ausgehend von der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, die sie als Ursprung des Solidaritäts­gedankens in Europa sehen, beschreiben die Autoren chronologisch die strukturellen Wandlungsprozesse von Solidarbeziehungen bis in die heutige Zeit hinein. Mit Verweis auf bedeutende gesellschaftliche Gruppen und Bewegungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern stellen sie exemplarisch dar, wie sich Formen solidarischer Praxis unter den jeweils gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen verändern, globalisieren und unter politischem Druck entfachen konnten. Dabei gehen die Autoren auch auf die Fall­stricke und Grenzen des solidarischen Handelns ein. Die Geschichte zeigt: Solidarität kann sinnvoll und hilfreich sein, aber auch umstritten und schwierig. Um sie muss in Zukunft immer wieder gerungen werden.
Dietmar Süß, Cornelius Torp: Solidarität. 2021. 216 Seiten. 20 Euro. Verlag Dietz, Bonn.

Beate Ebbers ist freie Journalistin in Peine.
Schreiben Sie der Redaktion.